Von der Aufbewahrung zur Emanzipation

Von der Aufbewahrung zur Emanzipation
Kurse für Frauen an den Volkshochschulen von 1945 bis 2000

Frauenkurse und Frauenklubs
Seit den ersten Programmen nach 1945 bis heute ist die Mehrzahl der Kursteilnehmer an Volkshochschulen Frauen, heutzutage sind es siebenundsiebzig Prozent (Statistikbericht VÖV 2011).
Auffallenderweise wird in den frühen Statistiken die Zahl der Kurse in den verschiedenen Angebotskategorien, die zugehörigen Hörerzahlen sowie deren Verteilung auf die Altersgruppen angeführt. „Die Frau“ als Teilnehmerin gibt es nur unter der Kategorie „Berufe“ und zwar als „Hausfrau“ deren Zahl von knapp unter 20 % im Jahr 1951 und 18 % im Kursjahr 53/54 sich in den späteren fünfziger- und sechziger Jahren auf etwa 13 Prozent einpendelt. Diese Statistik ließe den Schluß zu, dass die anderen Kurse nur von Männern besucht wurden, was nicht stimmt. Die Frauen in den „Nichtfrauenfächern“ werden nur nicht angeführt. Der pauschale Hinweis im Jahresbericht des VWV 1953/54 „Bei den Hörern der Volkshochschulen ist das Verhältnis Männer : Frauen 100:150, bei der Bevölkerungszählung 1951 war es 100:130“ (1) wurde als völlig ausreichend angesehen. Im Jahresbericht 56/57 finden sich dazu keine Angaben. Im Jahresbericht 1961/62 wiederum werden nur die Teilnehmerzahlen der „wissenschaftlichen Kurse“, nämlich: Musische Kurse; Heimat- und Auslandskunde; Geisteswissenschaften; Fachgruppen, Klubs, Lebensschulen, u.a.; Naturwissenschaften und Mathematik, Geografie, Medizin; Lebenskunde, Lebenshilfe, Beratungen, Gesellschaftswissenschaften, Volkswirtschaft, Staats- und Rechtskunde“ ausgewiesen. Kurse für die Frau sind vermutlich unter „Lebenskunde“ gezählt worden.
Inhaltlich bieten die Kurse „für die Frau“: Nähen; Kochen; Haushaltsführung; aus Resten kochen; aus Resten nähen; Wohnungsgestaltung; Handarbeiten; Weben; Kindererziehung; Materialkunde; Konsumentenerziehung; Ikebana; Gymnastik; Kosmetik; Buchhaltung; Stenografie; Rechtschreiben; Schnittzeichnen; Säuglingspflege; Ismakogie; Maschinstricken; Waschen mit und ohne Waschmaschine; Auswahl und Behandlung von Kleidern, Möbeln und Teppichen; die arbeitssparende Küche; Elektrogeräte im Haushalt u.ä.m.
Ganz vereinzelt findet sich auch ein anderer Frauenbezug, wie zum Beispiel unter den „geschichtlichen Vortragsreihen“ des Jahres 1951 an der VHS Margareten: „Frauen, die wir nicht vergessen dürfen“.
Aus den Jahren 1957/58.wurde berichtet: „Da die größere Anzahl unserer Teilnehmer Frauen sind, werden neben den vielen praktischen Werkkursen für Frauen zahlreiche Veranstaltungen, besonders für Frauenprobleme, geplant: „Frauen sehen Wohnprobleme“, „Die rechtliche Stellung der Frau in Staat und Familie“, „Schicksalsfragen der Frau“, „Forum der Frau“ „Konsumenten helfen Konsumenten“, „Modeberatung“, „Verschönere Dich selbst“ und andere“ (2)
Ganz allgemein sind “Frauenkurse“ … „Kurse, in denen Frauen lernen was Frauen brauchen, um „echte Frauen“ zu sein. Geleitet wurden/werden sie von Frauen; geplant, organisiert und administriert in der Regel von Männern.“ (3).
Obwohl die „Kurse für die Frau“ oft genug die finanziellen Grundlagen der Volkshochschulen sicherten, mußte ihre Existenz immer wieder und vielfach gerechtfertigt werden weil (männlicherseits) nicht eingesehen wurde, was denn diese praktische Fähigkeiten mit Bildung und dem Bildungsauftrag der Volkshochschulen zu tun hätten. Man verabscheute geradezu die Idee eines „Bildungsbauchladens“ wo sich jedermann/frau aussuchen könne, was ihm/ihr gefällt. Die Rechtfertigung dieses bildungsarmen Kursangebotes gelang mittels folgender Denkmodelle:
•    Durch die Gleichstellung der Hausfrauentätigkeit mit „anderen“ Berufen,  und der Notwendigkeit einer entsprechenden beruflichen Aus- und Weiterbildung. Im Jahr 1954 argumentiert Christine Wenzler (VHS Linz): „Für jeden anderen Beruf erachtet man heute eine gediegene fachliche Ausbildung als unerlässlich. Das junge Mädchen von heute hingegen wird für seine zukünftigen Aufgaben als Hausfrau und Mutter nur äußerst mangelhaft, meistens gar nicht vorbereitet (4)
•    Mit der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Tätigkeit der Hausfrauen
Hiezu schreibt Herbert Grau, damals Leiter der VHS Linz, in seinem Aufsatz „ Pflege des schöpferischen Selbstausdruckes an der Volkshochschule“ im Jahr 1955: „Ein Kochkurs, eine Stunde, in der Mehlspeisen gebacken werden bietet nicht allein folgende Möglichkeiten: Einführung in die Volkswirtschaft durch Berechnung und Diskussion der Preise und des Wertes des Selbermachens; Aufklärung über den Wert und Unwert künstlicher Süß- und Färbemittel, also eine Einführung in die Chemie und Gesundheitslehre; Berechnung des Nährwertes und Feststellung der Verdaubarkeit; … und so weiter und so weiter!“ (5)
Und nochmals Wenzler: „…Der Großteil des Volksvermögens geht durch die Hand der Frau, und es ist daher durchaus nicht gleichgültig für die Volkswirtschaft eines Landes, wie diese Werte verwendet werden. Mit Verbrauchslenkung und Rationierung allein geht es nicht, es müssen auch die Verbraucher das nötige Verständnis für diese Maßnahmen aufbringen. Gerade die praktischen Kurse bieten hier eine einmalige Gelegenheit, volkswirtschaftliche Aufklärung in einer unaufdringlichen Art an die Leute heranzubringen“ 67).
•    Mit dem Nutzen für die Frau selbst weil ihr die Möglichkeit geboten wird, sich persönlich (durch Kochkurse) zu verwirklichen.)                                                                                          
„Schließlich seien noch die vielen praktischen Kurse erwähnt, das Nähen und Kochen der Frauen zum Beispiel. …, aber auch sie geben reiche Gelegenheit zum Schöpferischen Selbstausdruck und zur Ausweitung (der Persönlichkeit)“. (7)

•    Mit der Möglichkeit, die Frauen in den Nähkursen „meuchlings“ oder in einer unaufdringlichen Weise zu bilden oder sie durch die Kursumgebung der VHS für andere Kurse zu interessieren. So referiert zum Beispiel Dr. Hans Altenhuber 1966 im Seminar der Frauenfachgruppe zum Problem: Kann ein praktischer Kurs Bildungsinteressen wecken? (8)
Die Bedeutung der Frauenkurse beweist sich auch durch die Tatsache, daß die seit Ende der Vierzigerjahre regelmäßigen zusammenkommenden einschlägigen Kursleiterinnen im Jahr 1957 eine eigene Frauenfachgruppe im Verband Wiener Volksbildung konstituierten zu deren Leiterin Frau Lieselotte Klammer gewählt wurde. Sie organisierte und leitete bis in die neunziger Jahre regelmäßig in Wien und später auch im Verband der Österreichischen Volkshochschulen die einschlägigen Fortbildungsseminare.
Auch in den Seminarberichten fällt der starke Rechtfertigungsdruck auf. Die Ernsthaftigkeit des Kursgeschehens wurde durch die Erarbeitung von Standartschnitten und eines Lehrplanes belegt. Auch die Entwicklung von Leistungszertifikaten wurde diskutiert, aber nie weiterverfolgt. (9)
Die zugrundeliegende pädagogische Haltung in diesen Frauenkursen ist durch ein „patronizing“ seitens der Kursleiterinnen (und seitens der VHS) gekennzeichnet. Was „echte Bildung“ ist, wissen sie ganz genau und es fällt ihnen nicht auf, daß sie mit der Forderung nach „mehr Bildung in die Nähkurse“ selbst deren Wert herunterfahren. Selbst die Fachgruppenleiterin meint: „Mehr als bisher müßte versucht werden, den Bildungsinhalt der praktischen Frauenkurse zu intensivieren. Neben der perfekten handwerklichen Schulung müßte den Kursteilnehmerinnen ein geistiger Inhalt vermittelt werden, den nur die Volkshochschule bieten kann….. Ob dies auch weiterhin „meuchlings“ geschehen soll oder in aktueller Form in den Lehrplan eingebaut wird, wäre zweifelsohne eine wesentliche Frage der künftigen Kursgestaltung.“ (10) Der Konjunktiv in dieser Formulierung wurde nie zur Realität gewendet.
Im selben Bericht bedauert Frau Klammer die fehlende Wertschätzung für die Nähkurse
„Es wurde immer wieder hervorgehoben, daß den Frauenkursen eine eminent wichtige Aufgabe zukommt, die jedoch noch nicht allgemein anerkannt wurde. So etwa kommt der Geschmacksbildung besondere Bedeutung zu. In einer Zeit des kommerziellen Kitsches ist es überaus wichtig, sich wieder auf Echtes, Gutes zu besinnen.“…………………..
„Frauenkurse, gleich welcher Sparte sind von stark persönlichkeitsgebundenem Charakter. Die Kursleiterin muß sich dessen bewußt sein, daß  sie  der Kurs ist…. Diese Wesenswirkung ist ebenso wichtig wie die Kontaktfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Anpassungsvermögen und Überzeugungskraft, ergänzt von Takt, Höflichkeit und Geduld sind weitere wesentliche Kriterien.“……(11)
Neben der Kontinuität der Nähkurse fand an den Volkshochschulen ein Strukturwandel statt: „Gymnastik- und Kunsthandwerkskurse (wurden) nicht mehr ausschließlich von Frauen geleitet und besucht. Über Vorschlag der Leiterin der Frauenfachgruppe fand am 7. Oktober 1972 die Konstituierung einer eigenen Fachgruppe für Gymnastikkursleiter unter der Leitung von Frau Dr. Eva Mößler statt. Die Kunsthandwerkskurse wurden in die Fachgruppe der praktischen Kunstkurse übernommen“ (12)
Frau Klammer und ihre Einstellung zum „richtigen“ Kursgeschehen dominierte bis ans Ende der achtziger Jahre die Diskussion in der Fachgruppe. Die neu entstehenden Vortragsreihen und Kurse zu politischen und emanzipatorischen Frauenthemen konnte sie nicht in ihre Tätigkeit integrieren und die „jungen Emanzen“ setzten sich gegen sie mit der Gründung einer eigenen Fachgruppe durch, aber davon weiter unten..
Bildungsmotivation: Geselligkeit
Parallel zu diesen „praktischen Kursen“ gründeten sich auch Klubveranstaltungen. Wolfgang Speiser berichtet im Jahr 1951 „Die Klubidee, welche Dr. Grau als eine der wichtigsten Formen der modernen Volksbildung hervorhebt, hat im Rahmen unserer Volkshochschulen erfreulicherweise schon mancherorts Fuß gefasst“ (13) „Die Volkshochschule Döbling hat im laufenden Studienjahr einen eigenen Frauenklub gegründet, der unter der Leitung prominenter Frauen, wie der Dichterin Adrienne Thomas, Frau Helene Thimig, Frau Emma Seitz, Frau Martha Gerngroß, steht. In regelmäßigen Mittwoch-Zusammenkünften werden in einem besonders schönen und gemütlichen Raum im Döblinger Gymnasium Veranstaltungen durchgeführt, wie sie gerade die Frau von der Volksbildung erwartet. Döbling ist dabei in der glücklichen Lage, mit im Bezirk wohnenden Kräften allein Abende in höchster Qualität zu gestalten.“(14)
Leider beschreibt er nicht näher, was gerade die Frauen von der Volksbildung erwarten aber er ist offensichtlich beeindruckt von der Prominenz der Frauen, die dies wissen und den Klub auch zum Erfolg führen. Ob Frauen vielleicht mehr an der Programmgestaltung mitwirken könnten, wird nirgends in Erwägung gezogen.
Speiser erwähnt in diesem Bericht noch die Gründung des „Schülerklubs in Favoriten“, einen „Arbeiterklub im Ziegelwerk“ und den „Ottakringer Hörerklub“.
Im Jahresbericht VWV 1961/62, Seite 10 schreibt er „Neben den zahlreichen Frauenkurse wurden an der Wr. Urania, den VHSn Hietzing, Margareten, Favoriten , Alsergrund und Ottakring einige Frauenklubs gegründet, bei denen an geselligen  Nachmittagen Frauen- und Haushaltsprobleme besprochen wurden.“
Im darauffolgenden Jahresbericht findet sich auf Seite 12 die Bemerkung „Die Frauenklubs an den verschiedenen VHSn wurden z.T. neu aufgebaut, z.T. weitergeführt, etwa unter dem Titel: “Rendezvous der Frau“.
Im Jahr darauf wurden…..“ besondere Klubs geführt, welche Bildung mit geselligem Beisammensein verbinden……. Hier (VHS Favoriten) wurde zum ersten mal in Wien der Versuch unternommen während der Durchführung von Klubnachmittagen für jüngere Mütter deren mitgebrachte Kinder von Kindergärtnerinnen in einem anderen Raum zu betreuen wobei für Mütter und Kinder auch eine Jause geboten wurde.“
Diese treue Berichterstattung wies darauf hin, daß die Frauenrunden politisch völlig harmlos waren und die Volkshochschulen ihre Aufgabe vor allem als „Freizeit-Aufbewahrungsanstalten für Hausfrauen“ erfüllten. (15)
Die politische Harmlosigkeit war aber kein Merkmal der Frauenkurse allein, sie galt für alle Kurse. Im „Stiftinger Dozentenseminar des Verbandes Wiener Volksbildung“ im Jahr 1954 ging es um die Motivation der Hörer (damals der gängige Begriff für Kursteilnehmer). Der Psychologe Dr. Werner Mann referierte aus der „Soziologie der Erwachsenenbildung“ von Leopold von Wiese aus dem Jahr 1921 die dort beschriebenen Typen der Kursteilnehmermotivation. Im Originaltext liest sich das so:
„Typen unter den Hörern:
a)die im Grunde Uninteressierten, zufällig herbeigeführten,                                         b) die aus Oppositionsstimmung gegen Kirche, Schule, Obrigkeit Getriebenen;                    c) diejenigen, die ein neues Mittel zum sozialen Aufstieg suchen                                   d) die aus Liebe zur Sache und aus persönlichem Streben Bildung und Wahrheit suchen (16)
und ein wenig weiter nochmals zu Typ b: „Einen psychologischen Missgriff begeht leicht der, der die Kategorie der oppositionell Gestimmten übersieht. Sie wollen Waffen im Kampfe mit ihnen drückend erscheinenden Autoritäten haben und nehmen nur von daher inneren Anteil an der Sache und an der Person des Lehrers“ (17)“
Im Seminarbericht wird zu jenen Hörern, die aus Widerständigkeit zur Obrigkeit die Kurse besuchen kurz und bündig bemerkt: “heute ausgestorben“.(18)
Wertet man die Originalbeschreibung „Widerstand gegen Gewalten wie Staat und Kirche“ als den zeitgängigen Ausdruck für das was wir heute politische Bildung nennen, so ist diese Bemerkung über das Ausgestorbensein dieser Motivation ein impliziter Hinweis darauf, was Volkshochschulbildung nicht sein sollte, nämlich politisch.
Den theoretischen Hintergrund für die Frauenkurse der Volkshochschulen formulierte vor allem Hofrat Dr. Aladar Pfniß, der langjährige Vorsitzende des Pädagogischen Ausschusses des VÖV.
Im Dezember 1967 stellt er unter dem Titel „Frauenbildung an der Volkshochschule“ Grundsätzliches zu Bildung, Bildung und Wissen, Mann und Frau und „was ist Frauenbildung?“ fest:
 „Ohne etwaigen Emanzipationsbestrebungen heutiger Frauenrechtlerinnen das Wort reden zu wollen, muß doch festgehalten werden, dass die Frau selbst in der als fortschrittlich zu bezeichnenden freiheitlich-demokratischen Gesellschaftsordnung von heute dem Mann gegenüber in vielem noch benachteiligt ist…
Eine seelisch-sittliche Bereicherung des heutigen Lebens, eine Verschönerung unseres Daseins wird aber nur durch Frauen erfolgen können.. Denn nur Frauen können  - in der Familie, im Freundeskreis - …jene gefühlsbetonte Atmosphäre schaffen, in der allein mitmenschliche Werte gedeihen können. (19)
Im Vergleich der Merkmale von Mann und Frau sieht er eindeutige Schwerpunkte und Unterschiede:
„Dabei könnte sich sehr wohl erweisen, daß es bestimmte Gebiete gibt, wie etwa die Naturwissenschaften, die Mathematik und die Instrumentalmusik, auf denen der Mann dank seines Geschlechts aber auch dank seiner Qualitäten eines speziell begabten menschlichen Wesens, immer jenen unfassbaren Begabungsvorsprung des hervorragend begabten Menschen haben wird, der den entscheidenden Unterschied ausmacht, so dass, wenn er führt, Frauen sehr wohl zu folgen vermögen, der Mann aber immer die neuen Entdeckungen machen wird, ….“ (20)
Und als Pädagoge beschreibt er
„Unter Frauenbildung versteht man eine dem Wesen der Frau gemäße Bildung……Der psychophysischen Grundstruktur der Frau entsprechend ist deren Sinnen und Trachten kaum auf Veränderung gegebener Zustände als vielmehr auf die Erhaltung, Pflege und Erfüllung des  als wertvoll erkannten) Bestehenden gerichtet. Das Leistungsstreben der Frau ist daher mehr auf das Aneignen notwendiger Kenntnisse und Fertigkeiten und deren Anwendung als auf die Verwirklichung von Neuerungen gerichtet. Diese Gegebenheit hat eine systematisch betriebene Frauenbildung etwa in Volkshochschulkursen zu beachten“
……Bemühungen dieser Art tragen dazu bei, bildungswillige Frauen richtig anzusprechen und ihnen zu helfen, durch Arbeit und Spiel psychische Gelöstheit und Selbstvertrauen zu gewinnen. Damit erhöht sich aber auch das Selbstwertgefühl dieser Frauen und gibt ihnen die Kraft und die Sicherheit, die sie brauchen, um in ihrem Bildungsstreben durchzuhalten.“ (21)

Etwa zehn Jahre später veröffentlicht die ÖVHS sein Vorwort zum Buch von Hannelore Blaschek „Ist Frauenbildung noch aktuell? Er referiert die Ergebnisse des Internationalen Jahres der Frau 1975, geht aber nicht von seinen Vorstellungen aus dem Jahr 1967 ab. Allerdings kann er mit den radikalen Frauenrechtlerinnen nicht so richtig etwas anfangen.
„Denn ihre `progressiven´Zielsetzungen implizieren eine Art Èmanzipation der Frau´, durch die eine revolutionäre Politik in die Wege geleitet und ein`neues Gesellschaftssystem´etabliert werden sollen,. In ihren Augen bedeutet Emanzipation nicht bloß Gleichstellung, `Frauenemanzipation´demnach nicht nur Gleichstellung beziehungsweise `Gleichberechtigung´der Frauen, gleichsam ihre Befreiung aus einem dauernden rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Abhängigkeitsverhältnism sondern zugleich auch weitgehende Umstrukturierung der bestehenden bürgerlich-liberalen Gesellschaftsordnung   in Richtung auf eine klassen- und herrschaftsfreie Gesellschaft`“
.
Die um Bildung bemühte Frau und ihr nicht auf Neuerungen gerichtetes Streben  das ihm so wichtig ist, findet sich aber nicht nur nicht in den Resolutionen zum Jahr der Frau, sie findet sich seit den frauenbewegten siebziger Jahren auch nicht mehr in der Volkshochschulrealität.

Emanzipatorische Frauenkurse, Frauenforen

„Die ersten feministischen Gruppen entstanden in Österreich Anfang der siebziger
Jahre. Diese Enstehungsphase war vor allem geprägt vom Kampf um die Freigabe
der Abtreibung…. 1972 wurde das erste Frauentreffen organisiert. In Wien entstand die AUF (Aktion unabhängiger Frauen), in Innsbruck der AEP (Arbeitskreis Emanzipation und Partnerschaft)…..die Zahl der Frauengruppen (nahm) rapide zu. In diesen Gruppen haben Frauen begonnen, über Gleichberechtigung zu reden, über Sexualität, über Kindererziehung und Beruf, Ehe und Familie. Erstmals aber wurden diese Themen nicht nur allgemein abgehandelt, nicht nur mit "Fallbeispielen" unterlegt, sondern die Frauen begannen von sich und ihren eigenen (beruflichen, sexuellen, familiären) Erfahrungen zu sprechen.
Rückblickend zeigt sich, daß diese Phase der "Selbsterfahrung" sehr wichtig ist“(22).
Die Erstarkung der Frauenbewegung und der Frauenpolitik seit den siebziger-Jahren ändert die Situation an den Volkshochschulen. Einerseits zieht die Frauenpolitik in die Programmgestaltung ein andererseits bilden die vielfältigen Frauenaktivitäten an den Volkshochschulen den Ausgangspunkt für Entwicklungen, die Jahre, oft Jahrzehnte später noch ihre Auswirkungen in die Gesellschaft hinein haben. Diese Frauen entsprachen allerdings so gar nicht dem Bild der vom Manne geleiteten Frau wie sie Hofrat Pfniß so ehrte.
An der VHS Brigittenau gestaltet Dr. Irmtraud Gössler-Leirer im Jahr 1977/78 eine Vortragsreihe zur Emanzipation der Frau unter dem Titel „Verdrängt von der Wissenschaft: die Geschichte der Frauenbewegung“. Die Kursausschreibung lautete: „Die Frau – auch ein Mensch? Beginn der Frauenbewegung – Philosophische und politische Grundlagen – Berufe für Frauen – Die Geschichte der bürgerlichen Frauenbewegung – Das Stimmrecht – Geschichte der weltweiten Bewegung der Frauen um das Wahlrecht, ihre Erfolge, ihre Niederlagen – Der Kampf der Frauen – Methoden und Strategien der frühen Frauenbewegung – Vom gewaltlosen Widerstand. “(23)
Im selben Jahr etablierte sich an der Wiener Urania „das Frauenforum Urania. Gruppenarbeit soll zu einer Identitätsfindung der Frau, zu besserem Selbstverständnis und Selbstverwirklichung der Frau in der von Männern dominierten Gesellschaft beitragen. Ein Arbeitskreis Frauenforschung soll zeigen, daß Wissenschaft und Forschung keine männliche Domäne sein müssen, sondern dass Frauen hier sehr viel bedeutendes geleistet haben und leisten: Die Vortragsreihe „Was will die Frau?“ von Gerlinde Schilcher wird mit neuen Themen fortgesetzt. Ergänzt wird das Programm durch Seminare Selbstverteidigung für Frauen – geleitet von Frauen.“ (24)
Für die empirische Sozialwissenschaft stellt sich die Situation folgendermaßen dar:
„…mit Ende der Siebzigerjahre und zu Beginn der achziger Jahre (integrierten) die Volkshochschulen mit den Gesprächskreisen für Frauen nicht nur einen neuen Typus von Bildungsarbeit in ihre Tätigkeit, sondern ….. (erschlossen) kurzfristig sogar bis dahin nicht dagewesene, öffentliche und sozusagen „offizielle“ Handlungsräume für die sich nun sammelnden und artikulierenden neuen Kommunikations- und Bildungsbedürfnisse von Frauen für Frauen.“ (25)
„Dieser neue Typus von Bildungsarbeit… “ bezieht seinen Impetus nicht aus der Benachteiligung der Frau gegenüber dem Mann (für den Bildungsbereich: nicht aus ihren Bildungsdefiziten), sondern aus der Suche nach dem Selbstbild, dem Selbstverständnis und dem Selbstbewußtsein von Frauen.“ (26)
Da diese Entwicklung nicht im Fahrwasser  parteipolitischer oder gewerkschaftlicher Organisation auftrat wurde ihre politische Dimension allgemein auch in der als harmlos bekannten Institution Volkshochschule selbst unterschätzt.
„Außerdem war dieses Feld von niemand  anderem „besetzt“ selbst der organisierte Teil der autonomen Frauenbewegung in Österreich hat bisher auf Initiativen im Bildungsbereich weitgehend verzichtet…..“ (27)
Die Grundlage für diesen „boom“ legten die Aktivitäten des damaligen Frauenstaatssekretariats unter Johanna Dohnal und des Verbands Österreichischer Volkshochschulen.
Johanna Dohnal wusste, dass ihre Politik die Unterstützung der Frauen auf breitester Basis benötigte um realisierbar zu werden. Sie suchte nicht nur freundschaftlichen Kontakt zu Frauen aus allen politischen Lagern und aus der Freien Frauenszene, sie wollte flächendeckend allen österreichischen Frauen die Möglichkeit bieten, ihr Selbstbewusstsein zu stärken, ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen, zu artikulieren und auch politisch durchsetzbar zu machen. Ob sich diese neugewonnen Fähigkeiten positiv ausgerechnet für ihre eigene Partei auswirken würden, war nicht ausgemacht, wenn sie selbst es doch erwartet haben dürfte.

Das Projekt „Die selbstbewusste Frau“
In Zwei Sitzungen im Februar 1981 hatte der Pädagogische Ausschuss des Verbandes österreichischer Volkshochschulen am 21.02.1981 unter dem „Tagesordnungspunkt 1) Projekte des Verbandes österreichischer Volkshochschulen – Anträge an das Bundesministerium für Unterricht und Kunst“  über insgesamt fünf das Projekte zu befinden, ob sie dem BMUK zur Förderung vorgeschlagen werden sollte.  Das an zweiter Stelle gereihte Projekt „Seminare zur Erarbeitung des Selbstverständnisses von Frauen“ löste in beiden Sitzungen kontroverse Diskussionen  aus – Das Projekt treffe gar nicht die tatsächlichen Probleme der Frauen, nicht Hausfrauen, sondern Arbeiterinnen  in der untersten Stellung in der Firmenhierarchie müssten Selbstbewusstsein entwickeln, das Prinzip der Koedukation würde mißachtet, die Bildung von Frauenghettos an den Volkshochschulen sei zu befürchten, jedenfalls aber sollten die Seminare für Frauen in Partnerseminare oder Partnerkurse übergeleitet werden. Aber immerhin: schließlich wurde in der zweiten Sitzung der vorliegenden Projektformulierung zugestimmt.   Inhalt des Projektes war die Durchführung von Einführungs- und Aufbauseminaren für künftige Seminarleiterinnen von Seminaren zur Auseinandersetzung mit dem Selbstverständnis von Frauen.
Im Jahr zuvor war vom Verband österreichischer Volkshochschulen bereits ein Trainerleitfaden erstellt worden, den das Frauenstaatssekretariat finanziert hatte.

Der Verband Österreichischer Volkshochschulen entwickelte das Projekt „ die selbstbewusste Frau“ dessen Ziel es war, „verschiedene Erfahrungen und Einsichten aus politischer Bildung, Feminismus und Sozialarbeit zu integrieren und gemeinsam nutzbar zu machen.“ (28)
Der erste wesentliche Schritt dazu war die Erstellung eines Trainerleitfadens für die Durchführung von Seminaren „Selbstbewusstsein kann man lernen“ der vom Staatssekretariat finanziert wurde. In ihm war ein Seminarplan zusammengestellt, der den Kursleiterinnen eine Struktur für die Arbeit mit Frauen bot. „Der erste Teil der Seminarabende beschäftigte sich mit den individuellen Verständigungs=  problemen, mit der Diskrepanz zwischen Verhaltenswunsch und tatsächlichem Verhalten und auch mit den Bedürfnissen und Wünschen von Hausfrauen, verschiedene Normen in verschiedenen Haushalten wurden bewusst und relativierten die eigenen. Der zweite Teil der Selbstbewußtseinsseminare befasste sich mehr mit gesellschaftlichen Fragestellungen, mit Fragen der Partnerschaft, denen eines Wiedereinstieges in den Beruf und mit anderen möglichen Neuansätzen im eigenen Leben.. . „Ein Hauptgewicht wird dabei auf die Fähigkeit, sich verständlich machen zu können und unterschiedliche Meinungen anderer akzeptieren oder nachvollziehen zu lernen gelegt“ 
Im Rahmen der Weiterbildungsseminare des VÖV in Haus Rief fanden von 1982 bis1988 Aus- und Fortbildungen für dieses Projekt statt. Die Hälfte der Seminarteilnehmerinnen rekrutierte sich aus dem Bereich der Volkshochschulen in ganz Österreich, die anderen Kursteilnehmerinnen (finanziert vom Staatssekretariat) kamen aus der kirchlichen, politischen, gewerkschaftlichen und der freien Frauenszene. Die Anzahl der Teilnehmerinnen lag meistens bei dreissig
Das Interesse an diesen Ausbildung war sehr groß und verwies jeden Verdacht, dass diese Kurse gar nicht gebraucht würden, ins Reich der Männerphantasien..
Viele Frauen hatten spontan ähnliche Bildungsangebote in ihren Institutionen entwickelt und begrüßten die Möglichkeit, ihren eigenen Ansatz mit dem aus dem Seminarprogramm ersichtlichen konfrontieren und erweitern zu können. Ebenso wurde die Möglichkeit begrüßt, mit Frauen ähnlichen Kalibers Gedankenaustausch, persönliche Weiterentwicklung und inhaltlich-methodische Impulse für die eigene Arbeit zu empfangen. Johanna Dohnal stellte sich in jedem dieser Seminare einer persönlichen Diskussion mit den Teilnehmerinnen.
Die Seminarteilnehmerinnen kannten sich zum Teil, einige nur vom Hörensagen und die vielen „Unbekannten“ integrierten sich leicht. Freundschaftliche Beziehungen wurden quer über ganz Österreich geknüpft und hielten oft jahrelang an.
Und in der Folge dieser Ausbildungen sprossen die Seminare zum „Selbstbewusstsein kann man lernen“ in allen Bundesländern sozusagen aus den Volkshochschulen, Bildungshäusern, Bildungswerken nur so hervor. Im Kursjahr 1981/82 fanden sie an den Volkshochschulen in Eisenstadt, Mattersburg, Oberwart, Baumgarten; in Linz, Wels, Braunau, Freistadt, Steyr; in Salzburg, in Deutschlandsberg, in Graz; in Innsbruck und in Wien an der Urania und den Volkshochschulen Margareten, Hietzing, Penzing, Wien-West, Wien-Nord, Donaustadt, Liesing und der Brigittenau statt.
In Wien wurde eine begleitende Fortbildung zu den „Selbstbewusstsein kann man lernen-Seminaren“ in Form von Supervisionen angeboten  „In diesen Beratungsseminaren, die etwa alle acht Wochen stattfanden, konnten Fragen der Organisation und der zwischenmenschlichen Beziehungen in den Kursen ausführlich besprochen werden und stellten so eine geglückte Verbindung von Theorie und Praxis dar.“ (31)
„Schließlich soll noch darauf hingewiesen werden, dass das Projekt selbst ein positives Beispiel für die Zusammenarbeit verschiedener öffentlicher Institutionen bzw. von dort arbeitenden Frauen ist. Sein Zustandekommen verdankt es vornehmlich Frau Staatssekretär Johanna Dohnal und Frau Dr. Ursula Knittler-Lux, die beide weiterhin finanzielle und zeitliche Unterstützung bieten…..“(32)
Die Frauen veränderten mit ihren Kursen zum Selbstbewusstsein der Frau das Programmangebot von Volkshochschulen und Bildungshäusern bedeutend und nachhaltig.

Frauenemanzipatorische Kurse in den Volkshochschulen Wiens
 „Der erste frauenemanzipatorische Kurs, der vor zehn Jahren in der Urania noch verhindert werden sollte, musste dann wegen der starken Nachfrage (es hatten sich bereits 20 Frauen angemeldet) doch stattfinden……. In diesen letzten zehn Jahren wuchs die Zahl der Kurse von null auf achzig an und diese werden nun von 43 Kursleiterinnen geleitet.“ (33)
Dies ist eine knappe Zusammenfassung einer tatsächlich erstaunlichen Entwicklung. Im Kursjahr 1981/82 führten alle Volkshochschulen in Wien einen Kurs „Selbstbewußtsein kann man lernen“, manche davon mit etwas abgewandelten Text, insgesamt achzehn Seminare.
Weiters finden sich in so gut wie allen Programmkategorien Vortrags-, Kurs- und Seminarangebote mit Frauenbezug.
Das Problem, wie man Teilnehmerinnen an Kursen für die Frau für „Bildung“ interessieren könnte, gab es nicht mehr. Die Frauen selbst forderten Rhethorik- und Selbstverteidigungskurse für Frauen, auch Kurse zur Geschichte der Frauenbewegung. Der Wechsel vom einen zum anderen Kursangebot lief eher in die andere Richtung: viele Kurteilnehmerinnen am üblichen Bildungsangebot nahmen nun zusätzlich an den „Selbstbewußtseinskursen“ teil.

Das traditionelle Frauenbild als Hausfrau, Mutter und auch im beruflichen Bereich als Unterstützerin des Mannes war Hintergrund und Antrieb für die Frauenkurse in den Programmen der vierziger bis Ende der sechziger Jahre. Dieses Bild ändert sich ab den siebziger Jahren. In den achziger Jahren finden sich neben den Gruppen „Selbstbewusstsein kann man lernen“, die oft auch unter geändertem Titel angeboten wurden, eine Vielfalt an Kursen mit explizitem Frauenbezug und auch eine Vielfalt an Frauenrollen wird als Zielgruppe angesprochen:

„Zeit für mich“; „Was will die Frau“; Mütter und Töchter; Club der Singles; Elternrunden; Nähklubs; Klub der Eheleute; Alternative Lebensformen; Frauen in der Gesellschaft; Frauen die pfeifen…; Frauengeschichte und Männergeschichte; Frauenschicksale in der Literatur; Frauen-Literatur-Werkstatt; Klub für ältere Damen; Frauenstammtisch; „Diskuthek“, Spiel- und Theatergruppe für Frauen; Frauen haben viel zu sagen; Gesprächsrunde für Frauen mit Gewichtsproblemen; Ich bin geschieden; Ich lebe alleine; nur Haushalt;  Arbeitskreis Frauenforschung; Frau und Technik; Frauen im Faschismus; Frauenalltag; Frauenphantasien; Literatur von Frauen in der DDR; Gesprächsgruppe für Alleinerzieher; Arbeitskreis sanfte Geburt; Rollen - geliebte und ungeliebte; Schwierigkeiten mit/in der Familie – was tun? Rhethorik; Selbstverteidigung; Vierzig – Ende, Wende, Neubeginn? Selbstbewusstsein mit fünfzig; Kinder – Küche – ist das alles?; Frauencafe; Organisationsstrategien im häuslichen Alltag; Rollenklischees – Attagskonflikte – Lösungsmethoden;  Arbeitsgemeinschaft Autorinnen; Frauenselbsthilfe nach Krebs; Frauen und Politik; Ich schau in den Spiegel und seh meine Mutter; Gemeinsam nicht einsam; Schreiben als Selbsterfahrung; Elternrunden„Ich will wissen, was los ist…; Vortragsreihe Die weibliche Seite der Wissenschaft“. Frauen informieren und diskutieren über den Stellenwert von Frauen in Musik, Geschichte, Literatur, Kunst, Medien, am Arbeitsplatz etc. An der VHS Wien-N ord gab es „EDV für Frauen (nach einem eigens für Frauen entwickeltem Curriculum)

Weitgehend ausgeklammert bleibt allerdings der Sektor Beruf. Vereinzelt gibt es Angebote „Wiedereintritt ins Berufsleben“ und auch „EDV für Frauen“ stellt einen beruflichen Bezugspunkt dar für den die VHS Wien Nord sogar ein eigenes Curriculum für Frauen entwickelte. Die VHS Wien- Nord bot mehrmals „Frau in der Arbeitswelt“ an und ihr Kurs “Arbeitsplätze selber schaffen“ war Teil eines Projektes des Sozialministeriums im Waldviertel wo sich Frauen in den ersten selbstverwalteten Betrieben eine Berufschance schufen.(34)
Ein weiterer Effekt hinsichtlich Schaffung von Arbeitsplätzen trat erst einige Jahre später zutage. Für mehrere Teilnehmerinnen der Selbstbewußtseinskurse wurden diese zum Ausgangspunkt einer persönlichen Weiternetwicklung die sie schlußendlich eigene Firmen gründen ließen die noch weitere Arbeitsplätze mit sich brachten. ( siehe unten)
Die VHS Hietzing reklamierte den Schwerpunkt Frauenbildung für sich. Aber sie war bei weitem nicht die einzige die sich mit Frauenfragen beschäftigte. Die oben angeführten Kurse fanden in ganz Wien statt, an den renommierten alten Häusern wie der Urania, Ottakring, Wien-Nord, der Brigittenau, am Alsergrund ebenso wie an den kleineren, eher in Stadtrandnähe angesiedelten Häusern. In Rudolfsheim (damals noch Zweigstelle von Ottakring), in Penzing, in Liesing, in der Donaustadt, in der Großfeldsiedlung wurden auch sogenannte „ einfache“ Frauen erreicht, mit wenig Schulbildung und oft genug auch in schlecht bezahlten Berufen tätig, - auch sie wollten „Selbstbewusstsein“ lernen.
Eine manchmal notwendige Rechtfertigung für die Selbstbewußtseinskurse entsteht nie mehr aus Zweifel über ihren Bildungswert. Und „ausgestorben“ ist die Bildungsmotivation der Widerständigkeit gegen Obrigkeit und Unterdrückung auch nicht mehr. Im Gegenteil, sie ist kräftig und ihre Auswirkung reicht weit über den  Bereich der Volkshochschulen mit ihren Angeboten hinaus.

Strukturwandel im VWV: Gründung der Fachgruppe für frauenemanzipatorische Kurse
Die Kursleiterinnen der emanzipatorischen Kurse fühlten sich innerhalb der Frauenfachgruppe nicht mehr richtig aufgehoben: „Ein erster Anstoß wurde 1985 gesetzt als sich innerhalb der bestehenden Frauenfachgruppe eine Arbeitsgruppe „frauenemanzipatorischer Kursleiterinnen“ bildete. Im Jahre 1987 wurden sieben Treffen veranstaltet, wo eine intensive Arbeits- und Diskussionsgrundlage geschaffen wurde. Konkretes Ergebnis dabei war die Zusammenstellung eines Programmes „Von Frauen für Frauen – frauenemanzipatorische Kurse an den Wiener Volkshochschulen“, in dem alle Kurse mit frauenspezifischen Inhalten zusammengefasst waren. …  Um eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit zu ermöglichen, kam es im September 1986 zu einer Vorstellung dieses Programmes in der Sendung „Von Tag zu Tag“. Hier zeigte sich bei den Reaktionen nochmals deutlich das Interesse an diesen Kursen, aber auch die Feindlichkeit von manchen Seiten, aus der neben der Angst vor selbstbewussten Frauen auch Ignoranz von männlichen Kollegen spricht.“ (35)
Konfliktfrei war Frauenemanzipation ja nie.
Die Wiener Urania war wohl die erste Volkshochschule Wiens die frauenrelevante Selbsterfahrungsgruppen anbot. Gerlinde Schilcher begann ihren ersten Kurs „Frauen reden mit Frauen und bestimmen selbst was sie lernen wollen“ im Herbst 1977. „Neben dem Gruppenangebot gab es ein dichtes Rahmenprogramm von Vorträgen, Wochenendtrainings, Diskussionsabenden, Filmen, Lesungen, usw. (36) Aber: es gab bei weitem nicht nur Zustimmung:
„In diesen Aufbruchsjahren mussten sich die Teilnehmerinnen des Frauenforums auch einiges gefallen lassen: Ängste, Feindseligkeiten und Vorurteile schlugen ihnen entgegen. Nicht nur das Wort „Emanzen“ fiel öfters, es wurden auch Gerüchte ausgestreut, sie stünden im Kammersaal auf den Tischen und schrien im Chor  „wie hassen die Männer“ oder sie besuchten Vorträge von bestimmten Männern…. um diese zu stören indem sie den Vortragenden in Diskussionen verwickelten und versuchten, ihn mit Argumenten fertig zu machen.“(37)
Die emanzipatorischen Frauenkurse verschwanden zwar nie ganz aus den Programmen, ihre Zahl ging allerdings in den nächsten Jahren wieder zurück. Dies lag auch daran, dass die Frauen den organisatorischen Rahmen der Volkshochschulen bald als zu eng für ihre Aktivitäten empfanden – die Räume waren zu sehr schulisch ausgestattet, Beginn und Ende der Kurse mussten wegen der anderwärtigen Raumnutzung oder wegen der Arbeitszeit des VHS-Personals pünktlich eingehalten werden obwohl dies oft genug den begonnenen Prozeß an Bildung- und Persönlichkeitsentwicklung unterbrach. Dies mündete oft in heftige Konflikte mit der „starren, unverständigen VHS“ und viele Frauengruppen wichen auf Cafes, Wohnungen, eigene Lokale aus. Auch Demonstrationen, Kino-, Theater- und Museumsbesuche, die Gründung von Vereinen und einer Schule verlagerten das Geschehen weg von den Volkshochschulen. Aber ohne ihre Offenheit und Unterstützung für bis dahin nicht Gedachtes und schon gar nicht Verwirklichtes wäre so manches nie realisiert worden.

Kurse für Frauen in den Bundesländern:
Anfang der achziger Jahre fanden im Rahmen des Projektes „Die selbstbewusste Frau“ in beinahe allen Bundesländern (Ausnahme: Kärnten und Vorarlberg) Seminare „Selbstbewusstsein kann man lernen“ statt und zwar nicht nur in den Hauptstädten (siehe oben). Eine genaue Recherche für ganz Österreich sprengte des Rahmen dieses Artikels, deshalb seien nur die am einfachsten zugängigen     Berichte erwähnt.
Der zweite Kristallisationspunkt für frauenemanzipatorische Aktivitäten war wohl die VHS Linz. Sie strebte dabei über den Rahmen von VHS-Kursen hinaus in die Öffentlichkeit. Ab 1980 veranstaltete sie mehrere Jahre hindurch eine Frauenwoche. Ziel war: „…die vielen VHS-Besucherinnen auch für Frauenfragen zu interessieren und wenn möglich zu aktivieren. Darüber hinaus galt es aber auch, “alle“ anderen Frauen von Linz, die bislang nicht zu den VHS-Besuchern zählten, für Frauenfragen zu sensibilisieren. Die Frauenwoche der Volkshochschule Linz wurde damit die einzige Möglichkeit für interessierte Frauen in Linz, das breite Spektrum der verschiedensten Frauengruppen und Frauenorganisationen kennenzulernen.“ (38) „Die Programminhalte und der Programmablauf der jeweiligen Frauenwoche werden in einer Reihe von Planungsbesprechungen von den Vertreterinnen der verschiedenen Frauengruppen und Frauenorganisationen festgelegt…..Die Volkshochschule Linz sieht bei diesem einmaligen Kooperationsmodell ihre Aufgabe darin, koordinierende und organisatorische Aufgaben zu übernehmen…. „Die Erfahrungen aus den Frauenwochen wurden jeweils in einer öffentlichen Nachbesprechung aufgearbeitet. Der Grundsatz der aktiven Mitgestaltung wurde dadurch beibehalten, dass nicht nur die an der Planung beteiligten Frauen, sondern auch alle anderen interessierten Frauen, die im Laufe der Woche Veranstaltungen besucht hatten, dazu eingeladen wurden.“ (39)
„Durch die Frauenwoche wurden viele Vorschläge und Anregungen an die Volkshochschule herangetragen, die bei der Programmplanung Berücksichtigung finden….Ein Ergebnis…war die Einrichtung des „Frauenforums der VHS“…In vierzehntägigem abstand werden (hier) wichtige Frauenfragen mit betroffenen Frauenvertreterinnen und anderen engagierten Frauen diskutiert….“ (40)
Es gelang „den Frauen“ nicht überall, ins VHS-Programm integriert zu werden wie ein Leserbrief aus Steyer an die Zeitschrift „Die Österreichische Volkshochschule“ im Jahr 1985 beklagt: „1982 habe ich erstmals erfahren, dass Frauen aus dem Bundeskanzleramt in Zusammenarbeit mit der VHS ein Kursprogramm für Frauen erarbeitet haben…. Mit Unterstützung befreundeter Frauen organisierte ich daraufhin im Herbst 1982 unser erstes Frauenseminar im Wohnviertel….Ermutigt durch das durchwegs positive Echo der Teilnehmerinnen folgte im Frühjahr das zweite Seminar. Zwischendurch sprachen wir mehrmals an der VHS Steyer vor, dass sie dieses Seminar doch in ihr Programm aufnehmen sollte, doch alle Mühe war vergebens. In puncto Frauenfragen scheint man in der Steyrer VHS sehr konservativ zu sein. Leider. Was uns allerdings nicht daran hinderte, noch zwei weitere Seminare anzubieten und auch durchzuführen….“ (41)
Etwa zehn Jahre später s berichtet die Österreichische Volkshochschule anerkennend dass die Arbeiterkammer-VHS in Traun eine Frauenakademie anbiete.
Auch in Villach führte die VHS eine Frauenakademie. „Vorerst werden sechs Kurse angeboten, die sich mit dem Thema Geschichte (Frauen), Bauen und Wohnen, Gesundheit, Alter, Lebensübergänge und EDV/Internet beschäftigten….Die Akademie ist das Ergebnis des Villacher Frauenberichtes, der seit 1994 in Zusammenarbeit mit der Universität Klagenfurt erstellt wurde, und den sich daraus ergebenden Bildungsbedürfnissen“. (42)
Vermutlich wäre viel mehr, auch aus den anderen Bundesländern zu berichten, aber dies würde den hiesigen Rahmen zu sehr überschreiten

Emanzipatorische Bildung zugewanderter Frauen
Das Interesse an Frauenfragen bezog auch „ausländische“ Frauen mit ein:
„Im Herbst 1983 wird an der VHS Ottakring gemeinsam mit der Frauengruppe des Instituts für Höhere Studien der Versuch gestartet mit türkischen Frauen einen Deutschkurs durchzuführen, bei dem zugleich auch praktische Fertigkeiten vermittelt werden sollen. Neben Kontakten zwischen und mit den türkischen Frauen geht es in erster Linie darum, Schwierigkeiten, die vor allem Frauen im Ausland haben aufzuzeigen und nach Möglichkeit zu verringern.“(43)
Viele Projekte im Rahmen des VWV hatten zugewanderte Frauen als Zielgruppe – Perserinnen, Türkinnen, Kurdinnen, Chileninnen. Sie beschäftigten sich mit deren spezifischen Lage als Frau in einer fremden Kultur. Neben Deutschkursen für kurdische Frauen gab es auch ein Literaturworkshop für chilenische Frauen, einen Gesundheitskurs für türkische Frauen, einen Nähkurs für Frauen aus dem Iran und ein chilenisch-Österreichisches Literaturworkshop.
Ab 1999 bot die VHS Rudolfsheim-Fünfhaus Kurse für türkische Frauen in türkischer Sprache an. . Es gab Kurse „Nähen“, in denen Alltags- und Festkleider entstanden  und „Türkische Seiden- und Stoffmalerei nach alten türkischen Mustern“. Die Kurse wurden auch von einigen ansässigen Wienerinnen besucht, für die alle anderen Kursteilnehmerinnen gemeinsam die fachlichen Anleitungen und Erklärungen der Kursleiterin übersetzten. Die vielen jüngeren Frauen, die zum größten Teil ihre Schulpflicht in Wien absolviert hatten, lernten die kunsthandwerklichen Traditionen ihrer türkischen Herkunftskultur kennen wie die Wienerinnen auch.
Einige Frauen wurden anfänglich von ihren Ehemännern zum Kurs gebracht und auch wieder abgeholt. Selbstverständlich konnten sie ihren Weg zur VHS alleine finden - ihre Männer sahen dies über kurz oder lang auch ein.
inhaltlich weitete sich das Programm aus. Im Laufe der Handarbeitskurse wurden Probleme aus Alltag, dem Eheleben, mit dem Schulfortschritt der Kinder und den Möglichkeiten der eigenen beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung besprochen. Da dies beinahe überhand nahm, wurde eine Gesprächs- und Selbsterfahrungsgruppe für Türkinnen gebildet zu der man an einem anderen Tag zusammenkam.
Eines Vormittages im Mai 2002 rief mich der Bezirksvorsteher persönlich an und fragte: „Was ist denn in der VHS los? Hier sitzen bei mir acht Türkinnen und beschweren sich, daß niemand mehr in den Kurs aufgenommen werde. Sehr viele der Kursteilnehmerinnen kämen aus ganz Wien, vom zehnten und vom 21. Bezirk und ausgerechnet die Türkinnen aus dem Fünfzehnten dürfen nicht hinein ?“
Ich erklärte dem Bezirksvorsteher daß ich nichts lieber täte als die Kurszahl zu verdoppeln, mir aber die nötigen Ressourcen dazu fehlten. Der Bezirksvorsteher versprach den Frauen, das Problem zu lösen, stiftete aus dem Bezirksbudget eine zweite Nähmaschine und brachte den Parallelkurs in einem der Bezirksvorstehung zur Verfügung stehenden Raum unter.
Die Türkinnen hatten selbständig im öffentlich-institutionellen Rahmen agiert und ihr „Recht“ bekommen. Ohne Hilfe ihrer Männer oder der Kursleiterin und ohne Hilfe der VHS gegen die sie sich zur Wehr zu setzen wußten. Wenn das nicht Emanzipation ist.


VHS überschreitende Aktivitäten
Die Selbstbewußtseinsseminare fanden jahrelang statt, sie entwickelten sich weiter, manche wurden zum Ausgangs- und Kristallisationspunkt für weit über die Volkshochschule hinaus wirkende Aktivitäten.
Diese Entwicklung läßt sich auf drei Ebenen feststellen:

1)    Frauenbildung als Individuelle Persönlichkeitsentwicklung
Was wurde aus den vielen Teilnehmerinnen der frauenemanzipatorischen Kurse, was fingen sie mit dem erworbenen Selbstbewusstsein an?
„In vielen Fällen stiegen Frauen wieder in den Beruf ein bzw. konnten sie ihre beruflichen Interessen besser vertreten. In einigen Fällen hat das gestiegene Selbstbewusstsein die Frauen auch befähigt, aus unbefriedigenden Beziehungen auszusteigen und bewusst eine neue Lebensform zu wählen“. (46)

Für so manche Teilnehmerin der ersten Selbstbewusstseinsseminare erschlossen sich in der Folge Aktivitäten im öffentlichen Bereich, die sie zum damaligen Zeitpunkt nicht erahnen konnte. Beispielhaft dafür nenne ich hier Ina Biechl, damals Ina Horak.
Ina Biechl war Handelschulabsolventin, Mutter dreier Kinder und besuchte 1975 einen Kurs über Kinderpsychologie und Erziehungsfragen (Kursleiterin: Ursula Knittler-Lux). Zu der Zeit hatte sie ihre Berufstätigkeit als Organisationssekretärin kurz unterbrochen und war „nur“ im Haushalt tätig. Im Jahr danach besuchte sie das erste Selbstbewusstseinsseminar in der Volkshochschule Ottakring, das die Wiener SPÖ Frauen unter Johanna Dohnal organisiert hatten. Der Austausch in diesen ersten Frauengruppen und die Selbsterfahrung dabei verstärkte ihre Suche nach dem „wer bin ich“, „was will ich wirklich“ und „wie soll mein Leben ausschauen“. Sie suchte Möglichkeiten, die sie in ihrem Streben nach Persönlichkeitsentwicklung unterstützen konnten. Als außerordentliche Hörerin besuchte sie Vorlesungen an der Universität Wien und absolvierte Ausbildungen zur Kommunikationstrainerin und Coach für berufliche und persönliche Orientierung. Sie leitete Seminare an diversen Volkshochschulen in Wien und gründete und betreute Frauengruppen. 1989 trennte sie sich vom Vater ihrer Kinder und 1992 machte sie ihr Hobby zum Hauptberuf und gründete eine eigene Firma. Unter „trainingskompetenz®“ bietet sie eine praktische Ausbildung für Führungskräfte, Trainerinnen und Trainer an.(47)
Beim Suchen nach weiteren Möglichkeiten der Persönlichkeitsentfaltung kam ihr der erste Lehrgang des Feministischen Grundstudiums gerade recht und sie schloss ihn mit einer Diplomarbeit über die Selbstbewusstseinsseminare der Volkshochschulen in Wien ab. Darüber hinaus ist sie ab 1977 frauenpolitisch tätig. 2004 wurde sie Präsidentin des Absolventinnenvereins des Rosa Mayreder Collegs, der einmal jährlich Weiterbildungen für die Absolventinnen organisiert.
Ich nehme Ina Biechls als beispielhaften Fall persönlicher Weiterentwicklung die den Ausgangspunkt in den Seminaren der späten Siebzigerjahre nahm. Es wäre interessant, dem „Was wurde aus ihnen?“ umfassend nachzugehen. Vielleicht gelingt das in einer zweiten Forschungsarbeit

2)    Frauenbildung im Rosa-Mayreder College
Frauen konnten in Österreich Kurse besuchen, so viele sie wollten, ihr Selbstbewusstsein stärken so intensiv es nur ging – eine formale Anerkennung ihrer Bildung gab es nicht. Gebildete Frauen mit formaler Gleichstellung waren eine ungeliebte Konkurrenz nicht nur in allen Institutionen in denen der formale Schulabschluß die Einstufung ins Gehaltsschema bestimmte. Ohne Matura keine B-Einstufung und auch kein Studium. Ohne Akademischen Grad keine Einstufung in A.
Die erste Relativierung der Matura als Voraussetzung für ein Universitätsstudium“ gelang mit der Einführung von Berufsreife- und Studienberechtigungsprüfung die den Bildungseffekt von Berufsausübung in den Zugang zum Universitätsstudium miteinbezogen. Nicht nur führen die Volkshochschulen in Wien seit den achtziger Jahren entsprechende Vorbereitungskurse, sie waren auch die treibende Kraft bei der Durchsetzung dieses Anliegens. Aber trotzdem – Die Voraussetzung Matura fiel nicht, sie wurde nur inhaltlich anders definiert.

Mit der Gründung des Feministischen Grundstudiums an der Volkshochschule Ottakring m Jahr 1996/97 und seiner Erweiterung zum Rosa-Mayreder-College 1999 gelang es Ursula Kubes Hoffmann zum ersten und im Österreich bislang einzigen mal, Bildungsabschlüsse die in einem weiblichen Bildungszusammenhang erworben wurden, einem herkömmlichen Universitätsabschluß gleichzustellen. Wobei als Voraussetzung für das Feministische Grundstudium Matura, Studienberechtigungs= prüfung oder eine abgeschlossene Berufsausbildung und drei Jahre Berufserfahrung gefordert wurden. Finanziert wurde es im Rahmen des EU-Förderungsprogrammes Sokrates und es ist bis heute mit universitären und außeruniversitären Frauenbildungsprojekten aus verschiedenen Ländern vernetzt.
Das Feministische Grundstudium (ein Lehrgang universitären Charakters)schließt mit einem Diplom das auch den Zugang zum weiterführenden Masterstudium eröffnet.

Mittlerweile bietet das Rosa-Mayreder-College mehrere Lehrgänge an:
•    Das Feministische Grundstudium
•    Zusatzqualifikation feministische politische Bildung
•    Diplom "Referentin für feministische Bildung und Politik":
•    Masterlehrgang Internationale Genderforschung und Feministische Politik
Seit 2005 führt letzterer zum Master of Art in Women's Studies and Feminist Research. Die Kooperation mit Ottakring „wanderte“ zur Urania, Durchführungsort ist auch das Institut für Erwachsenenbildung in Strobl am Wolfgangsee. Einzig die Studiengeühr ist ein bitterer, Frauen benachteiligender Faktor: 5.200 Euro (für zwei Jahre).
„Ziele des Feministischen Grundstudiums sind u.a. der Erwerb sozialer und politischer Kompetenz, die Optimierung argumentativer Durchsetzungsfähigkeit am Arbeitsplatz, die Nutzung nationaler und internationaler Netzwerke, die Erweiterung von Wissen über Europa-Recht und Medienarbeit. Die Verbindung von kritischer politischer Bildung mit professioneller Fachkompetenz…“ (49)
Der Ruf nach einer „dem Wesen der Frau“ entsprechender Bildung erhält damit seit der Emanzipationsbewegung der siebziger- und achtziger in den neunzigerJahren eine ganz neue Bedeutung, die sich seine ehemaligen Proponenten im Verband Österreichischer Volkshochschulen nicht nur nicht vorstellen konnten, sondern die sie als nachgerade gefährlich eingeschätzt hätten.

3)    Bildungsinitiativen, den Rahmen der Volkshochschulen überschreitend.
Im Herbst 1991 gründeten einige Teilnehmerinnen der Reihe „Frauen verändern ihre Zeit“ (Urania) die feministische Mädchenschule Virginia Woolf. Ausgangspunkt war die Unzufriedenheit der Tochter einer Teilnehmerin dieses Kurses mit den Zuständen in ihrer Schule und der ständigen Drangsalierung durch die Buben in ihrer Klasse. Die Frauen blieben nicht bei Klagen über die Zustände und nicht bei deren Analyse stehen. Gemäß dem Grundsatz Lernen ist gleich Leben machten sie ihre eigenen (feministischen) Grundsätze zur ideellen Grundlage der alternativen Mädchenschule und gründeten den „Verein zur feministischen Bewusstseins- und feministischen  Mädchenbildung“. Die Wogen schlugen hoch – in der städtischen Schulverwaltung, unter Lehrern und Erziehungswissenschaftern, auch in der Alternativschul- und in der Frauenbewegung. Aber die Schule bestand erfolgreich zehn Jahre hindurch und wird heute als interessantes Erziehungsprojekt der Neunzigerjahre des letzten Jahrhunderts angeführt  DieStandart brachte im Herbst eine Art Nachruf zehn Jahre nach deren Schließung.(50).
Dieselbe Frauengruppe führte zwei Jahre nach der Schulgründung wiederum an der Urania die Fortbildungsreihe „Mädchen bevorzugt“ durch. Diese Veranstaltung wurde 1994 mit Hilfe des Verbandes Wiener Volksbildung unter dem Titel  `Mädchen bevorzugt -  Feministische Beiträge zur Mädchenbildung und Mädchenpolitik´  von Ruth Devime und Ilse Rollett als Buch herausgegeben .
Unterrichts- und Lernziel der feministische Mädchenschule Virginia Woolf war: "Mädchen sollen frei, gefördert und vor allem lustvoll mit uns leben und lernen. ... Allen anderen Mädchen und Frauen wollen wir soviel Freude, Lebenslust, gelebte Freundinnenschaft usw. vermitteln, damit sie frei von patriarchaler Anerkennung großartig leben, lernen, arbeiten, weiterkämpfen, streiten, lieben etc. können." (51)


Persönliche Schlussbemerkung
Die Beschäftigung mit dem Thema war für mich nicht nur theoretisch interessant, sie erweiterte sich abschnittsweise zu persönlichen Erinnerungen aus meiner eigenen Berufstätigkeit im Rahmen der Volkshochschulen. Die deutlichste Reaktion „meiner Seele“ war die Zufriedenheit darüber, dass sich doch Vieles geändert und zum Positiven weiterbewegt hat, ganz besondere bezüglich der Stellung der Frau in unserer Gesellschaft. Die ganz spezifische Kraft der Volkshochschule ist es, Ideen und Lebensentwürfen eine Plattform zur Entwicklung und Weiterverbreitung zu geben. Und so, wie „Intelligenz im Verborgenen wirkt“ versteht es auch die Volkshochschul, Welt und Politik verändern zu helfen ohne großes Aufhebens zu machen. Solange diese Kraft nicht verloren geht, können sie getrost weiterhin so unauffällig bleiben wie sie es in den beschriebenen letzten dreissig Jahren waren.
Heutzutage wird das Thema „Frauen in der Volkshochschule“ im internationalen Kontext des Gendermainstreamings abgehandelt und hat damit eine neue Dimension erreicht.



Anmerkungen:
1)    Jahresbericht  VWV 1953/54
2)    Jahresbericht VWV 1957/58, Seite 7)
3)    Marina Fischer-Kowalski, Peter Seidl u.a.: Von den Tugenden der Weiblichkeit. Mädchen und Frauen im österreichischen Bildungssystem.         Mit Beiträgen von: Anni Bell, Marina Fischer-Kowalski, Eva Hollensteiner, Barbara Rett, Brigitte Schramm, Peter Seidl, Ingrid. Trummer. Seite 77
4)    in: ÖVHS, Mai 1954 Seite 16:“ Volksbildung und praktische Frauenkurse“)
5)    Herbert Grau, Pflege des schöpferischen Selbstausdruckes an der Volkshochschule in: ÖVHS, März 1955, Seite 3
6)    Christine Wenzler, Volksbildung und praktische Frauenkurse                                                                     .                          In : Die österreichische Volkshochschule Oktober 1954
7)    ebenfalls Grau, siehe oben
8)    Siehe Jahresbericht VWV 1965/66)
9)    Lieselotte  Klammer „10 Jahre Frauenseminare in Rif, ÖVHS Nr 75 Dezember 1969 Seite 12
10)    Aus: „Aufbau- und Arbeitsseminar für Leiterinnen von Frauenkursen“ 15. – 21. August 1971 in: ÖVHS Heft 83, Dezember 1971 S 20 – 23).
11)    Ebenda
12)    Zitat aus dem Tätigkeitsbericht des VWV 1984 bis 1987, S.37)
13)    Jahresbericht des VWV 1951, S 6 bis 8 )
14)     Ebenda, Seite 7
15)    Fischer-Kowalski, S 252
16)    Leopold von Wiese (Hrsg), Soziologie des Volksbildungswesens
       Duncker und Humbold München und Leipzig 1921, Seite 209
17)    Ebenda, Seite 212
18)    ÖVHS, Oktober 1954, Seite 23
19)    Aladar Pfniß: Frauenbildung an der Volkshochschule in: Die österreichische Volkshochschule Heft 67, Dezember 1967, Seite 7
20)    Ebenda, Seite 11
21)    Ebenda
22)    Ina Biechl, Selbsterfahrungsgruppen für Frauen im Rahmen der Wiener Volksbildung 1975 – 1998 unter dem Blickwinkel der Veränderung des Politikverständnisses. Diplomarbeit des 1. Diplomlehrganges „Feministisches Grundstudium“ Jänner 1998 – Dezember 1999,  Seite 10)
23)    Programmheft der VHS Brifittenau 1977/78
24)    Jahresbericht des VWV 1981 bis 1982, Ausblick auf 1983, Seite 26)
25)    Fischer-Kowalski, S 251
26)    Ebenda, Seite 252
27)    Ebenda, Seite 252

28)    Erika Stubenvoll und Helga Renner,Trainerleitfaden zur „Selbstbewusstsein kann man lernen“. Wissenschaftliche Leitung: Dr Ursula Knittler-Lux. Mit einem Vorwort von Johanna Dohnal Herausgeber: Verband Österreichischer Volkshochschulen.
29)    List, ebenda
30)    List, ebenda, Seite 38
31)     List, ebenda
32)    .Jahresbericht des Verbandes Wiener Volksbildung 1984 bis 1987 Mag.Lisa Fischer: Gründung der Fachgruppe für frauenemanzipatorische Kurse, Seite 37
33)    .Persönliche Mitteilung von Mag. Ingrid Trummer, damals direktorin der VHS Wien-Nord
34)    Mag. Lisa Fischer, Gründung der Fachgruppe für frauenemanzipatorische Kurse. In: Jahresbericht des Verbandes Wiener Volksbildung 1984-1987 Seite 37/38
35)    Wilhelm Petrasch, Die Wiener Urania von den Wurzeln der Erwachsenenbildung zum lebenslangen Lernen. Böhlau, Seite 333.
36)    Petrasch, ebenda
37)    ÖVHS Nr 31, März 1984, Seite 25
38)    (ebenda, Seite 27
39)    ebenda, Seite 29).
40)    Leserbrief in: ÖVHS Nr 136, Juni 1985, ‚Seiten 39/40
41)    ÖVHS 187, März 1998, Seite 13
42)    .Jahresbericht Verband Wiener Volksbildung  1983/84, Seite 41
43)    Leitung: Dr. Ursula Knittler-Lux. Programmhefte der VHS Rudolfsheim-Fünfhaus 1999 bis 2004,
44)    Persönliche Erinnerung von Dr. Ursula Knittler-Lux
45)    Ina Biechl, Seite 15
46)    ) http://www.trainingskompetenz.at/):
47)    Ursula Kubes-Hoffman Biografie
48)    Zielsetzungszitat des Feministischen Grundstudiums
49)    Zitat Virginia Woolfe Schule auf der Internetseite der Stadt Wien
50)    Zitat Ziel der Virginia Woolfe Schule
51)    Ina Freudenschuss, Radikale Schule für kleine Frauen, DieStandart vom 28. November 2011

Weitere Literatur:
Hans Knaller (Hg.),Gegenkonzepte.
Bildung und Erwachsenenbildung Verband Österreichischer Volkshochschulen, Pädagogische Arbeits- und Forschungsstelle (PAF). VÖV-Publikationen 13. STUDIENVerlag, Innsbruck-Wien 1998. € 20,20

Johanna Guttmann, Warenkunde für die Frau, Vorträge und Betriebsführungen,                         .             veranstaltet von der Volkshochschule Linz vom Wintersemester 1955 bis                                  .              zum Sommersemester 1960 ÖVHS Heft 46, Mai 1962,Seite 18
 Mehr Selbstbewußtsein für Frauen. Ein Projekt der österreichischen Volkshochschulen EB in Österreich, 1982
Erna Schmaus, Die Frau von heute als Hörerin in unseren Nähkursen
                      ÖVHS Heft 102 September 1976,Seite 2 – 4

Auftrag, Wesen und Stellung der Volkshochschule in Österreich.
Grundsatzerklärung des Verbandes österreichischer Volkshochschulen, (Wien 1961). (Neufassung 1966.) (Neufassung 1979.) Grundsatzerklärung 1979. In: "Die Österreichische Volkshochschule (ÖVH)", Sondernummer. Hrsg. vom Verband österreichischer Volkshochschulen, (Wien 1979).

Ruth Devime/Ilse Rollett, Die Virginia Woolf-Schule. Gelebte feministische Praxis                                .                   von Mädchen und Frauen

Ruth Devime, Wir sind im Bilde---und fallen aus dem Rahmen! Gedachtes und Getanes aus und über die feministische Erwachsenenbildung in:
Magazin Erwachsenenbildung.at Ausgabe 7/8, 2009
www.erwachsenenbildung.at/magazin

Grosser-Wilder Inge/Marx, Elfriede/Sieder Martha, Kurzgeschichte des                                          .                  Frauenforums – Zeit des Aufbruches Seite 105 bis 110 ):

Ursula Knittler-Lux, Bildung bewegt 100 Jahre Wiener Volksbildung Festschrift zur Ausstellung in der Volkshalle des Wiener Rathauses vom 4. bis 25. Oktober 1987
ISBN 3900799016


Gesichtete Materialien

Die Zeitschrift „Die Österreichische Volkshochschule“ von 1947 bis 2000

Die Protokolle des Pädagogischer Ausschusses des Verbandes österreichischer Volkshochschulen der Jahre 1979 bis 1985

Jahresberichte des Verbandes Wiener Volksbildung der Jahre: 1959/60,1960/61,1961/62; 1962/63; 1963/64,1964/65, 1965/66
1984 bis 1987, 1987 - 19990

Gesamtkursverzeichnisse des Verbandes Wiener Volksbildung der Jahre
1978/79 bis1988/89
Programmangebote mit Frauenbezug
1978/79             8
1981/1982     Summe:     
1982/1983    Summe:     27
1983/1984 Summe:     50
1984/1985 Summe:     32
1988/1989 Summe:     39

Festschriften zu Jahresjubiläen
    100 Jahre Wiener Urania
    30 Jahre VHS Hietzing

Statistikberichte des VÖV 2000 - 2011